17:20 Uhr: Das Event ist rund ums Weserstadion angelegt und ich entscheide mich, mit dem Fahrrad zur Veranstaltung zu fahren. Nimm nicht dein gutes Fahrrad, höre ich noch aus dem OFF und wie verzaubert nehme ich den Schlüssel der „Schrottscheese“ (wirklich schlechtes Fahrrad).
17:25 Uhr:
Ich sitze auf dem Fahrrad, es quietscht erbärmlich und ich komme im Schneckentempo voran.
17:26 Uhr:
Ich frage mich, warum ich das freiwillig mache, und beruhige mich mit dem Placeboeffekt des olympischen Gedankens.
17:27 Uhr:
Der Placeboeffekt ist vorbei – die höchste aller Mächte setzt ein … Ich habe Hunger.
17:36 Uhr:
Interessant: Schon auf dem Hinweg überholen mich viele Leute mit ihrem Fahrrad im absolut perfekten, farblich auf den Laufparter/in abgestimmten und funktionalen Hightech-Sportoutfit. Eine Vorahnung?
17:48 Uhr:
Ankunft am Event und meine Vorahnung hat sich mehr als bestätigt. Ich schaue an mir herunter und schlussfolgere, dass ich in meinem rudimentären und bunt zusammengestellten Outfit eher nach Campingplatz, gleich grillen und viel Bier aussehe.
17:49 Uhr:
Notiz aus dem „Camper“-Gehirn: Ich meinte eher auch Dein Laufverhalten als Allegorie auf Deinen bevorstehenden Lauferfolg. Aber mach mal weiter …
17:50 Uhr:
Okay, nicht einschüchtern lassen, schon gar nicht von mir. Ich sehe und treffe die anderen „Kollegenden“ der WaBeQ GmbHg an unserem Tisch. Alle sind gut drauf, freuen sich auf das Event und sehen fit aus.
17:52 Uhr
: Die Laufnummern werden vergeben und ich versuche, sie an meiner Kleidung zu befestigen. Irgendjemand sagt noch, dass das Schild mehr nach Lätzchen aussieht, und ich frage mich, ob ich gemeint war, denn mein Schild bestätigte stumm diese Aussage.
17:53 Uhr: Ich bekomme von Sonja (Gesundheitsbeauftragte) einen Crashkurs im „Gehen mit Stöcken“ und bin nach 38 Sekunden fertig. Sie sagt, das reicht und das Laufen mit Stöcken sieht bei mir schon – naja, „aus“ eben.
17:54 Uhr: Auf zum Startblock, der Start ist gegen 18:00 Uhr. Ich denke noch: Wir starten im ersten Block, da laufen IMMER die Adrenalinfreunde/innen mit viel Elan und besonders viel „Hightech“. Laufuhren, Pulskontrolldinger, Stulpen, Hightech-Schweißbänder mit E-Mail-Funktion, Gyrostabilisatoren, alles am und im Startblock vertreten.
17:55 Uhr: Dann hörte ich das Pure Grauen. Ihre alles Übertönende, krächzende und mindestens 30 m reichende und technisch unverstärkte Stimme: „Mit den Stöcken können Sie da aber nicht starten“, sagte sie. „Das geht aus Sicherheitsgründen nicht“, sagte sie. „Die Stöckerleutestarten erst um 19:40 Uhr“, sagte sie, und mein größer als ihre Stimmreichweite werdendes Entsetzen entgleiste direkt vor der Dame, wie ein leicht verspäteter Zug vor der Einfahrt in einen rettenden Umsteigebahnhof. Kurzum: Wir „Stockläufer“, wie sie es sagte, wollten aber nicht so lange in der Kälte stehen und haben deshalb beschlossen, dass wir auch um 18:00 Uhr mit den Joggern starten. Zuerst dachte ich, das sei eine gute Idee, doch dann kam das „Grauen“ meinen Rücken heraufgekrabbelt. Joggen! JOGGEN?! ICH? Mein Hirn: Nee, mach ich nicht. Nee, mach ich nicht. Nee, mach ich nicht. Nee, mach ich nicht. Nee, mach ich nicht. Nee, mach ich nicht. Nee, mach ich nicht. Nee, mach ich nicht. Nee, mach ich nicht.
17:56 Uhr: Dann sehe ich mich äußerst intensiv und nahezu panisch nach einem Sauerstoffzelt um. 1000 Vermeidungsstrategien ziehen an meinem inneren Auge vorbei. So etwas wie: Fuß spontan brechen, Nervenzusammenbruch, AU sein oder noch eben zu einer Besprechung müssen (mit Keksen, Kaffee und irgendeinem leichten Thema, wo ich nur nicken muss).
17:58 Uhr: Mein Körper übernimmt. Sonja lächelt mich wohlwollend an und sagt: „Das wird schon.“ Ab da beobachtete ich mich seitlich von oben, wie ein Forscher, der gerade eine neue Gattung entdeckt hatte (ein Insekt). Ich sah, wie ich die Stöcke bei einem Streckenposten abgebe, und Sonja sagt, es sei alles geregelt. Meine Ratio im Gehirn sagte: „Alles klar, ich machte dann mal Feierabend“, vergnügte sich beim Kopfkino mit Netflix und Co. Meine Füße bewegen sich zum Startblock. Nicht denken! Heiko, nicht denken! Wie auch mit einer abgemeldeten Ratio … und ich sehne mich insgeheim nach irgendeiner Besprechung.
17:59 Uhr: Der Countdown läuft, alle jubeln und ansteckenderweise freue ich mich auch. Ich suche den Blickkontakt zu den Ersthelfer:innen am Streckenrand. Dann habe ich mich zusammengerissen und will vorankommen, ich will laufen, ich will gewinnen. Ich realisiere, dass ich in der Startaufstellung neben vielen fitten Supermännern/-frauen und einem Maskottchen, einer Giraffe stehe. Irgendwie passend, denke ich noch. Die WabeQ-Leute sind alle gut drauf und wir scherzen und lachen viel. Noch!
18:00 Uhr: Der Startschuss ertönt! Wir bewegen uns mit der Geschwindigkeit einer Warteschlange in einem x-beliebigen Amt in Norddeutschland (nördlich von Marne!) Ich könnte meine ganze Lebensgeschichte erzählen, bevor ich dran wäre.
18:07 Uhr: Mein Musik-Player gibt den Geist auf, und dann fällt mir ein, dass ich den zu Hause vergessen habe. Meine einzige Motivation ist jetzt das Atmen und die gute Stimmung im WaBeQ-Team! @ Sonja, ohne Deine Motivation wäre ich sofort nach Hause gegangen!
18:12 Uhr: Hurra, Kilometer 1 ist geschafft und es fühlt sich körperlich („füßlich“) an wie Kilometer 36. Unsere Gruppe ist tatsächlich letzter, wir wurden kräftig überholt und jetzt kommt niemand mehr nach. Emma, Juliane, Mario und Alexander setzen sich ab und liefen um ihr Leben, als ob es keinen Morgen mehr gibt. Das finde ich voll cool und beschließe ab heute zu trainieren. Oder erst Morgen? Ach, nächste Woche reicht auch noch …  
18:16 Uhr: Wir haben tatsächlich drei andere Läufer überholt und ich fühle mich großartig. Jetzt sind wir definitiv nicht mehr Letzte/r. Und dann ein leichter Motivationsdämpfer mit überregionaler Tragweite. Uns überholte auch das 2. Starterfeld! Naja, okidocki, dann eben aus der 1. Gruppe nicht letzter. Tze! „Wichtig sind der Style und der Drop, Digga“, sagte mein Hirn und krümelte erbärmlich mit Chips. Welchen S.t.y.l.e meint es? Etwa Camper?
18:25 Uhr:
Kilometer 2. Die Giraffe steht am Rand und winkt zynisch. Ich frage mich, wie sie das geschafft hat. Sie so schnell oder wir so langsam?
18:35 Uhr:
Die Wege der Marathonstrecke kreuzen sich und ich sehe auf der anderen Seite Emma und Alexander. Wau, denke ich noch und freue mich für sie, denn jetzt sind wir definitiv nicht Letzter/-e! Dennoch sind es noch drei Kilometer bis zum Ziel.
18:38 Uhr:
Ich setze mich von der Gruppe ab und ertappe mich beim Joggen. ICH! Aber es geht und lässt sich aushalten.
18:39 Uhr (59 Sekunden später)
: Okay, ich gehe wieder! Und ab jetzt wechsle ich zwischen Laufen und Gehen ab. Randnotiz: Extrem wichtig ist, wenn Kameras und Leute am Rand stehen, kurz zu laufen und voll motiviert zu gucken. In Camperkleidung – mit zu viel Kaffee – und Lätzchen mit Zahl drauf. Ich kämpfe Meter für Meter.
19:00 Uhr: Ich habe es geschafft!!!!! Ich habe die Ziellinie im Weserstadion überquert. Der Ansager hat meinen Namen und den meiner Firma gerufen. Herzlichen Glückwunsch, Heiko Schulz von der WaBeQ GmbHg und ein Fotograf hat meinen glorreichen Moment festgehalten – verschwitzt, aber siegreich. Ich überlege vor lauter Motivation, ob ich noch eine Runde laufen soll, verwerfe den Gedanken aber ganz schnell wieder. Vielleicht mit Laufstöckern?
19:10 Uhr: Wir treffen uns alle am Ausgangspunkt (unserem Tisch) wieder und berichten gegenseitig, wie es war und wer, welche Zeit hatte usw. Es ist schön, ein Teil der Gruppe zu sein.
19:15 Uhr: Ich hole Würstchen für alle als kleinen Snack und stehe bei der Ausgabe für die Firmen. Meine Bestellung kommt und ich bekomme ganze vier vorbestellte Würstchen. Alle um mich herum machen versöhnliche „Ooooh, süß“-Laute, denn deren Firmenbestellungen gingen auf die 50 oder 60 Würstchen zu.
19:40 Uhr: Nach dem schönen gemeinsamen Essen (in Harmonie -> vegan und Wurst – ich bin für beides!) beschließen wir, die Gruppe aufzulösen (es begann auch zu regnen).
19:45 Uhr: Allein auf meinem Klapperfahrrad bekomme ich zwei Erkenntnisse ins Campinghirn:

  1. Beim Marathon laufen immer vorne die Profis, die Schlagzeilen machen und ganz hinten die Menschen, die große Geschichten über das Leben zu erzählen haben. Und ich, ich war unterwegs mit Kollegen, denen es um viel mehr ging als nur um Sport.
  2. Beim nächsten Mal wünsche ich mir auch, 40 Würstchen für die „Kollegenden“ abholen zu dürfen!

Danke an die Laufgruppe, das (ihr) war großartig, und danke an Mika und Malte für das Aufpassen auf unsere Sachen!

Grüße,
Heiko Schulz
Bereichsleiter Infrastruktur, QMB und neuerdings Camper
P.S. Mein Gehirn hat „Binge watching“ für sich entdeckt. Voll nervig 😊


Das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-Behindertenrechtskonvention) ist das erste internationale, rechtsverbindliche Instrument, in dem Mindeststandards für die Rechte von Menschen mit Behinderungen festgelegt sind. Für die EU trat die UN-Behindertenrechtskonvention am 22. Januar 2011 in Kraft. Alle EU-Mitgliedstaaten haben das Übereinkommen unterzeichnet und ratifiziert. Im Januar 2019 haben 22 EU-Länder außerdem das Fakultativprotokoll dazu unterzeichnet und ratifiziert.

Weitere Informationen erhalten Sie über den Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung.

Mit der Charta der Grundrechte hat die Europäische Union erstmals einen rechtlich verbindlichen Katalog von Bürgerfreiheiten, Grundrechten und die wirtschaftlichen und sozialen Rechte der europäischen Bürgerinnen und Bürger formuliert. An die neu formulierten Grundrechte sind einerseits die Organe der Europäischen Union gebunden, andererseits auch die Mitgliedstaaten, wenn sie EU-Recht ausführen. Die Charta verleiht den Grundrechten größere Sichtbarkeit und Klarheit. Sie stärkt die Europäische Union als Grundrechts- und Wertegemeinschaft.
Es geht in der Charte der Grundrechte u.a. um die Rechte der Teilnehmenden hinsichtlich des Schutzes personenbezogener Daten, hinsichtlich der Freiheit der Meinungsäußerung und der Informationsfreiheit, hinsichtlich des Rechts auf Bildung, hinsichtlich des Grundsatzes der Nichtdiskriminierung, hinsithlich der Gleichheit von Frauen und Männern, hinsichtlich der Integration von Menschen mit Behindung und hinsichtlich des Rechts auf gerechte und angememssene Arbeitsbedingungen. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Seite des ESF-Bremen.

Ab dem 1. Oktober 2024 werden nur noch Reifen als Winterreifen anerkannt, die das „Alpine-Symbol“ tragen. Es besteht aus einer Schneeflocke und einem Berg. Das gilt auch für Ganzjahresreifen. Ab diesem Datum dürfen bei winterlichen Straßenbedingungen keine Reifen mehr gefahren werden, die lediglich eine „M+S“-Kennzeichnung tragen.